Für lange Einheiten steht überall dieselbe Zahl: bis zu 90 Gramm
Kohlenhydrate pro Stunde. Was fast nirgends dabeisteht, ist die Bedingung, ohne die sie
nicht gilt.
Der Darm hat für Zucker Transportwege, und einer davon ist bei rund
60 Gramm die Stunde ausgelastet.
Warum ist bei 60 Gramm Schluss?
Glukose wird über einen bestimmten Weg aus dem Darm aufgenommen. Dieser Weg lässt sich nicht
beschleunigen, indem man mehr nachschiebt — er ist irgendwann besetzt. Jeukendrup
beziffert die Grenze auf rund 60 Gramm pro Stunde: So viel wird verwertet, egal wie
viel darüber hinaus im Magen landet.
Was nicht durchkommt, bleibt liegen. Das ist einer der Gründe, aus denen sich die letzten
Kilometer schwer anfühlen können — und der einzige, der sich vorher ausrechnen lässt. Viele
halten es für einen Formfehler; rechnerisch ist es zuerst eine Mengenfrage.
Fruktose nutzt einen anderen Weg. Wer beides mischt, benutzt beide Straßen
gleichzeitig. Die gemessenen Verwertungsraten lagen dann bei 1,26 Gramm pro
Minute — rund 75 Gramm die Stunde, gegenüber rund 60 mit einer einzelnen Zuckerart.
Und hier trennen sich zwei Zahlen, die überall vermischt werden. Die 90
Gramm, die als Obergrenze kursieren, sind eine Zufuhrempfehlung — wie viel man essen
soll. Die 60 und die 75 sind Verwertungsraten — wie viel davon ankam. Beide stehen in
Gramm pro Stunde, und beide meinen etwas anderes. Es bindet immer die kleinere.
Wie viel braucht deine Einheit — und was davon kommt an?
Trag die geplante Dauer ein und wähle, womit du
unterwegs bist. Der Rechner stellt den empfohlenen Bereich neben das, was in den Messungen verwertet wurde.
Für 3 h mit einer Glukose-Fruktose-Mischung
Was
Menge
Woher
Empfohlene Zufuhr
bis 90 g/h
Positionspapier 2016
Gemessene Verwertung
rund 75 g/h
Jeukendrup 2014
Es bindet die kleinere Zahl: 75 g pro Stunde
Die empfohlene Obergrenze liegt über dem, was gemessen
verwertet wurde — auch mit einer Mischung. Die 90 sind eine Zufuhrempfehlung, die 75 eine
gemessene Verwertungsrate. Es bindet die kleinere.
Wie viel ist überhaupt sinnvoll?
Das Positionspapier von 2016 staffelt nach Dauer, und die Staffelung ist unspektakulär:
Bis etwa eine Stunde: kaum nötig. Genannt werden Mundspülung oder kleine
Mengen — ohne Grammzahl, und der Nutzen wird vor allem im Kopf verortet.
Eine bis zweieinhalb Stunden:30 bis 60 Gramm pro Stunde.
Darüber: in sehr langen Wettkämpfen sind höhere Mengen — bis zu 90 Gramm
pro Stunde — mit besserer Leistung verbunden. Eine Untergrenze nennt die Quelle für diesen
Bereich nicht, also nennen wir auch keine.
Die beiden Quellen messen verschiedene Dinge und kommen deshalb auf verschiedene Zahlen —
die eine sagt, wie viel man essen soll, die andere, wie viel davon ankam. Wer sie verwechselt,
plant mit einer Menge, die es nie über den Darm schafft.
Was diese Zahlen nicht können
Sie sagen nichts über deinen Magen. Wie viel jemand während einer Belastung
verträgt, ist individuell verschieden und lässt sich über Wochen an das Training gewöhnen. Eine
Menge, die rechnerisch passt, kann sich beim ersten Versuch trotzdem falsch anfühlen —
deshalb probiert man sie im Training aus, lange vor dem Wettkampf.
Sie gelten pro Stunde, nicht pro Portion. Die Grenze ist eine Rate. Drei
Portionen in zehn Minuten sind nicht dasselbe wie dieselbe Menge über eine Stunde verteilt,
auch wenn die Summe stimmt.
Und sie stammen aus Messungen an trainierten Sportlern in Ausdauerbelastungen.
Für kurze, intensive Einheiten und für Kraftsport sagt diese Staffelung nichts.
Wenn dir bei Belastung regelmäßig übel wird oder Beschwerden bleiben, ist das keine
Mengenfrage mehr — das gehört ärztlich abgeklärt. Eine Website kann es nicht leisten.
Jeukendrup A: A step towards personalized sports nutrition: carbohydrate intake during
exercise. Sports Medicine 2014;44(Suppl 1):25–33. Dort: Glukose allein wird mit bis zu
rund 60 g/h verwertet; Glukose-Fruktose-Mischungen erreichten 1,26 g/min, also rund 75 g/h.
Die Arbeit nennt zusätzlich einen Prozentvergleich gegenüber Kohlenhydraten mit nur einem
Transportweg — wir geben ihn hier nicht wieder, weil sein Bezugswert nicht die 60 g/h aus
derselben Arbeit ist und die Zahlen sonst zueinander nicht aufgehen.
Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada und American College of Sports
Medicine: Nutrition and Athletic Performance. Positionspapier, Februar 2016. Dort
wörtlich: „an intake of 30 to 60 g/h provides benefits … although in very
prolonged events (2.5+ hours) … higher intakes (up to 90 g/h) are associated with better
performance".
Und was macht FORMPACE damit?
Es rechnet die Mengen auf dein Gewicht — und für jede geplante Einheit
einzeln, vorher, unterwegs und danach.