Nachgerechnet

Die Zahl auf deiner Reifenflankeist keine Empfehlung.

Sie ist eine Obergrenze. Der Hersteller sagt dir damit, wo es gefährlich wird — nicht, wo du schnell bist.

Was du fahren solltest, hängt an deinem Gewicht. Und daran hat sich auf dem Reifen nie etwas geändert.

Warum das Gewicht die Zahl bestimmt

Ein Reifen trägt dich, weil die Luft darin ihn davon abhält, unter deinem Gewicht flach zu werden. Wie stark er dabei einsinkt, entscheidet über alles: Sinkt er zu wenig ein, springt das Rad über jede Unebenheit statt darüber zu rollen — das kostet Zeit. Sinkt er zu weit ein, walkt der Reifen, und das kostet auch Zeit. Und irgendwann schlägt die Felge durch.

Entscheidend ist nicht dein Körpergewicht, sondern das Systemgewicht: du, das Rad, die Flaschen, die Werkzeugtasche, der Rucksack. Zwei Fahrer mit 15 Kilo Unterschied brauchen nicht denselben Druck, auch wenn sie identische Reifen fahren.

Was sich ändert, wenn dein Gewicht sich ändert

Bei gleichbleibender Einfederung steigt der nötige Druck annähernd im selben Verhältnis wie die Last. Trag ein, was du heute fährst — daraus rechnet sich der Rest.

Ein Wert, mit dem du zufrieden bist. Hast du keinen, steht unten, wie du ihn findest.

Dann fährst du 6,73 bar.

Das sind 0,73 bar mehr — bei 10 kg mehr Systemgewicht.

Und wenn du keinen Ausgangswert hast?

Dann miss ihn. Du brauchst ein Lineal und jemanden, der kurz mit anfasst.

1. Miss die Höhe des unbelasteten Reifens von der Felge bis zum Boden. 2. Setz dich aufs Rad, in deiner normalen Haltung, mit allem, was du dabeihast. 3. Miss noch einmal.

Die Differenz ist die Einfederung. Rund 15 % der Reifenhöhe gelten als guter Kompromiss zwischen Rollwiderstand und Komfort — das geht auf die Messreihen von Frank Berto zurück, die er 2007 in der Bicycle Quarterly veröffentlicht hat. Federt dein Reifen deutlich mehr ein, ist zu wenig Druck drin; federt er kaum ein, zu viel.

Hinten trägt mehr Gewicht als vorn — bei den meisten liegt die Verteilung grob bei 40 zu 60. Deshalb gehört hinten mehr Druck als vorn, und deshalb ist ein einziger Wert für beide Reifen immer ein Kompromiss.

Warum hier keine Tabelle steht

Weil wir dir keine geben können, die stimmt. Der richtige Druck hängt außer am Gewicht auch an der Reifenbreite, an der Innenweite deiner Felge, daran ob du mit Schlauch oder ohne fährst, an der Karkasse und am Untergrund. Breiter heißt deutlich weniger Druck — aber wie viel genau, ist von Reifen zu Reifen verschieden.

Eine Tabelle, die all das ignoriert, sieht genauer aus als sie ist. Deshalb rechnet diese Seite von deinem eigenen Ausgangswert weiter, statt dir einen fremden vorzusetzen. Wechselst du die Reifenbreite, gilt der alte Ausgangswert nicht mehr — dann misst du neu.

Eine Grenze, die keine Rechnung überschreibt

Fahr nie über den Maximaldruck, der auf der Flanke steht. Diese Zahl ist keine Empfehlung, aber sie ist eine echte Grenze — und sie gilt auch dann, wenn eine Rechnung etwas anderes nahelegt. Bei sehr hohem Systemgewicht ist die Antwort nicht mehr Druck, sondern ein breiterer Reifen.

Und prüf nach, was deine Felge zulässt. Bei manchen Kombinationen ist die Felge das schwächere Glied, nicht der Reifen.

Auch nachgerechnet

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